„Selten so gelacht“
Juli 4, 2008
Der Westen im Umgang mit afrikanischen Angelegenheiten
Die Tagesschau gilt seit jeher als Aushängeschild im Bereich der Medien. Kompetent, wertfrei, objektiv. Doch was müssen meine Augen auf der Homepage dieser Rundfunkanstalt entdecken. Einen Kommentar von Wim Dohrenbusch vom ARD-Hörfunkstudio in Nairobi zum Verhalten der Afrikanischen Union (AU) gegenüber Robert Mugabe. Der amtierende zimbabwische Präsident hat sich nach umstrittener Stichwahl erneut zum Staatsoberhaupt des Landes erklärt. Beginnend mit den Worten „eine Clique von Ignoranten…“ schreibt Dohrenbusch weiter: „Selten so gelacht“. Damit bezieht er sich auf die Unfähigkeit der AU, die sich für ihn aktuell in der von der EU geforderten Zurechtweisung von Mugabe manifestiert. Er wirft der AU Tatenlosigkeit, Handlungsunfähigkeit und Versagen vor.
Ein Kommentar, nun gut, „nur“ ein Kommentar! Kein Grund zur Aufregung! Dennoch, diese beschwichtigenden Worte zeigen keine Wirkung. Auch ein Kommentar definiert sich über bestimmte Regeln. Argumentation, abwägen, Meinung als plausibel konstruieren… Es geht nicht darum, Dohrenbuschs Vorwürfe zu entkräften, zu widerlegen oder zu behaupten, die AU wäre eine tatkräftige und konfliktlösende Institution. Es geht lediglich darum, Dohrenbuschs einseitigem Schmalspurdenken ein wenig mehr Kommentarcharakter zu verleihen. Denn um einen Kommentar per definitionem handelt es sich sicherlich nicht; eher um eine Verurteilung, die leichte Anleihen einer Hasstirade in sich birgt.
Folgendes Denken zeichnet sich hinter den Worten Dohrenbuschs ab. Der Westen weiß, was gut für die afrikanischen Staaten ist, hat Moralität, Humanismus und Friedfertigkeit für sich gepachtet und versucht deshalb, diesen unterentwickelten Staaten ihr Handeln zu diktieren. In westlicher Imagination einer Überlegenheit eine folgerichtige Handlung. Der unterentwickelte Afrikaner bekommt seine Probleme mal wieder nicht in den Griff. Da muss der Westen doch einschreiten – denkt sich der Westen – , sich einmischen, um der Menschlichkeit, des Wohles des zimbabwischen Volkes willen. In meine Sprache übersetzt, heißt das, der Westen verharrt in Strukturen von Paternalismus, Ethnozentrismus und Neokolonialismus. Bezüglich des westlichen Moralismus nur eine konterkarierende Anmerkung. Wie kürzlich erst wieder durch eine neue Studie ins Gedächtnis gerufen, ist beispielsweise das ach so moralische Deutschland ganz vorne dabei bei den weltweiten Waffenexporten – die USA konnten sie natürlich nicht von ihrem Spitzenplatz verdrängen. Der sich vordergründig um Frieden und Gerechtigkeit in der Welt bemühende Westen, ist um gute Geschäfte nie verlegen. Moral kann man offenbar selektiv anwenden sowie aussetzen.
Wieso sollte also dieser selektiv moralische Westen, hier exemplarisch durch die Person Dohrenbusch vertreten, sich dazu berechtigt fühlen, anderen Ländern oder Gemeinschaften „falsches“ Handeln zu attestieren? Vielleicht bringt der politische Sprecher Mugabes, George Charamba, wenn auch etwas polemisch es aber inhaltlich dennoch auf den Punkt, wenn er sagt, die westlichen Staaten hätten „keinen Anspruch“ auf Mitbestimmung in Zimbabwe und deren Politiker sollten „zur Hölle fahren“.