Mediendiskussion Teil 1
Juli 25, 2008
Versuch der Illustration eines Weges
Es folgt eine Illustration des Weges, den eine gesellschaftliche Nichtigkeit zu beschreiten in der Lage ist, sollten die Medien für eben diese ein gewisses Interesse in der Gesellschaft respektive Konsumentenschicht ausgemacht haben. Na ja, Nichtigkeit ist vielleicht ein zu hartes Wort; besser ist vielleicht des Begriff unbedeutendes Ereignis, zumindest in dem Sinne, dass es für das Fortbestehen der Welt irgendeine Bedeutung hätte. Die angekündigte Illustration beruft sich auf folgende, von mir aus persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen extrahierte Erkenntnis: Was sich verkauft, ist von Interesse. Was von Interesse ist, ist wichtig. Und wichtig ist alles, was sich verkaufen lässt. So stellen sich für mich einführend die Grundsätze der Medienarbeit dar, die anhand des beispielhaften Werdegangs eines Ereignisses von der Beschaffenheit einer Unbedeutsamkeit veranschaulicht und in ihrer Entwicklung abgezeichnet werden sollen.
Bevor ich mich in die schriftliche Ausgestaltung eines von mir frei gewählten Ereignisses stürze, möchte ich aus Gründen der Überprüf- und Verifizierbarkeit meiner Selbsterkenntnis, mein individuelles Gedankengebäude mit kollektivem Gedankengut in Form von alternativen und aus definitorischer Sicht gemeinschaftlich geteilten Quellen untermauern – nur um sicher zu gehen. Diesen Schritt unternehme ich weniger aus persönlicher Unsicherheit oder Selbstzweifeln an meinen Feststellungen zum Thema Medienarbeit, sondern eher, um einem eventuell nach nachvollziehbareren, „objektivierten“ Beweisen strebenden Leser zu beruhigen; quasi als Beweis, dass meine Erkenntnisse nicht einfach aus der Luft gegriffen sind. Eine Beweisführung entfaltet sich oftmals an der Übereinstimmung mehrerer Stimmen oder Meinungen auf einen gemeinsamen Nenner, auf eine allgemeingültige Definition. Also gilt es eine der wichtigsten Aufgabe des Journalisten auszuüben, die Recherche, um eben diese Allgemeingültigkeiten ausfindig zu machen. Und siehe da, schon nach dem Anrecherchieren des Themas „Mediengrundsätze“ eröffnen sich gravierende Unterschiede zwischen meinem Erklärungsversuch und den vermeintlich offiziellen Prämissen der Medienarbeit. So schnell ist der als Routineeingriff geplante Verifizierungsakt zu einem mein Illustrationsprojekt schon in den Grundfesten erschütterndes und gefährdendes Unterfangen mutiert.
Bevor ich mich also dem eigentlichen Projekt zuwenden kann, gilt es zunächst mal, die sich auftuenden Diskrepanzen unter die Lupe zu nehmen. Sollten meine Eingangs geäußerten Überlegungen falsch sein? Sollte meine Textidee sich somit selber als Nichtigkeit herausstellen? Schritt eins sollte daher in der Wiedergabe der „offiziellen“ Version von Mediengrundsätzen bestehen. Laut Recherche erscheint das wichtigste Prinzip eine möglichst objektive Berichterstattung über gesellschaftsrelevante Themen zu sein. Den Medien soll eine informierende Funktion über relevante Ereignisse zukommen. So könne beispielsweise der Leser einer Tageszeitung sich gewiss sein, nach der Lektüre seines Blattes über das wesentliche Tagesgeschehen unterrichtet zu sein. Aber wie erreicht man Objektivität? Wie beurteilt man die Relevanz eines Themas? Auch diese Fragen lassen sich nach der Recherche eindeutig beantworten. Die Relevanz ergibt sich aus dem allgemeinen Interesse plus der Aktualität eines Sachverhaltes. Die Objektivität ist durch die Richtigkeit der Fakten, also die Genauigkeit der Recherche, die Vollständigkeit der Informationen und den Verzicht auf Wertung und Kommentierung, außer diese wird explizit als solche kenntlich gemacht, gewährleistet.
Mit diesen Leitlinien erlegt sich der Medienschaffende eine hohe Bürde auf, so finde zumindest ich. Aber diese Grundsätze gewährleisten immerhin zweierlei. Zum einen eine Verwirklichung oder zumindest Annäherung an die Prinzipien von Objektivität und Relevanz und daraus folgend eine quasi moralische, weil überindividuelle Informationsinstanz, die einem Publikum Fakten und nicht Meinungen zu präsentieren in der Lage ist. Die Meinung kann sich somit ein jeder selbst bilden. Soviel zu den „hard facts“, die ich hoffentlich richtig wiedergegeben und interpretiert habe. Kurze Zweifel, da meine Interpretationsgabe bereits bei der Einführung des Textes zu versagen gescheint hat, möchte ich an dieser Stelle unter dem Teppich kehren; nicht um ihnen aus dem Weg zu gehen, sondern um mich diesen an geeigneterer Stelle zu widmen.
Etwas paradox erscheinen dann aber doch einige Sätze, die sich mir bei weiterem Lesen in den Weg stellen. Da heißt es beispielsweise sinngemäß, also dem Sinn nach, den ich erneut hoffe erfasst zu haben: Damit Aussagen objektiv erscheinen, muss eine gemeinsame gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit gegeben sein. Vermutlich weiß ein Medienprofi, was damit gemeint ist. Ich, der noch als Amateur der Schreibenden Zunft zu bewerten bin, kann diesen Satz leider nicht in der Gänze seiner Aussagekraft begreifen. Aber vielleicht stellt sich im Laufe der Jahre bei mir auch noch ein höherer Grad an Professionalität ein, der es mir ermöglicht, solche Aussagen eindeutig zu verstehen. Weiter geht es mit einer Aussage zum Thema „Nachrichtenselektion“. Erkenntnisinteresse des Journalisten ist die Beschreibung und Erklärung singulärer Ereignisse, die aus der Perspektive des Systems relevant sind. Die Perspektive des Systems, schon wieder so ein Ausdruck, der sich mir nicht wirklich erschließen will.
Die Konfusion wird noch größer, als ich aus meinem Hinterkopf wieder meine eigenen Mediengrundsätze hervorkrame. Statt der Auflösung von Diskrepanzen driften meine eigens gewonnenen und die allgemeingültigen Grundsätze der Medienarbeit immer weiter auseinander. Missmut stellt sich ein, der sich in dem Moment noch vergrößert, in dem ich feststelle, dass ich kontinuierlich an meinem eigentlichen Thema vorbei schreibe. In der Schule wäre dieser Text damit eine glatte fünf – Thema verfehlt. Was für ein Glück, dass diese Zeiten vorbei sind. Daher ist es mir möglich, unter Missachtung des Prinzips der Relevanz – denn relevant kann ein am eigentlichen Thema vorbeigehender Text mit Sicherheit nicht sein – diesem das Prinzip der künstlerischen Freiheit entgegen zu setzen. Prinzipiell ist dies sicherlich keine professionelle Arbeitsweise, aber als Amateur sei mir dieser Dilettantismus verziehen. Ein weiterer Dilettantismus wird mir gerade klar. Recherchiert habe ich zwar, allerdings die Angaben nicht mit Quellen belegt. Somit genügt dieser Text nicht nur keinen journalistischen Ansprüchen, sondern ebenso keinen wissenschaftlichen. Gefühlsmäßig stehe ich vor einem Scherbenhaufen. Der ganze Text scheint umsonst. Alle offiziellen Prinzipien missachtet. Ich tröste mich mit den Worten: Ich übe ja auch noch! Und deshalb gebe ich an dieser Stelle nicht gänzlich auf, sondern erlaube es mir, die werte Leserschaft auf eine Fortsetzung dieses Textes in einem nicht näher definierten Zeitraum zu vertrösten, wobei ich mich – auch wenn ich es nicht mit Sicherheit versprechen möchte; sagen wir, ich verspreche es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – dem eigentlichen Thema, der Illustration des Weges widmen werde. Mit dem Gefühl von Missmut im Bauch lässt sich schlecht weiter schreiben. Deshalb werden Sie sicherlich verstehen, dass ich jetzt aufhören möchte. Wieso Sie das nächste mal weiter lesen sollten, wo doch schon dieses mal keine Information verbreitet worden ist? Schwer zu sagen. Vielleicht, weil Sie sich für mein Schicksal interessieren, meine möglichen Fortschritte? Aber vielleicht auch, weil sich das nächste mal eine objektive Erkenntnis bei mit einstellen wird und die Illustration des Weges, die versprochener Weise äußerst interessant ist, ihren Verlauf nehmen wird. Vielleicht aber auch, weil das Wesen der Information nicht in der Information selber steckt. Oh, jetzt verwirre ich mich selbst! Schluss, aus! Auf ein nächstes Mal!