Natur ade! Und das trotz Ökostrom?
Januar 11, 2008
Die Klimakatastrophe droht, der Kollaps unseres Planeten, die Menschheit steht vor der Vernichtung? Wie es genau um den Zustand unserer Welt bestellt ist, weiß keiner so genau. Die eine Expertise stellt einen Zusammenhang zwischen CO2-Ausstoß und Klimaerwärmung her, eine andere Expertise bestreitet diesen Zusammenhang. Es handele sich um einen natürlicher Prozess der Klimaerwärmung im Wechsel zwischen Eiszeit und Warmzeit, einen Prozess, den es seit Bestehen der Erde schon immer gegeben hat. Natürlich fällt das Ergebnis einer solchen Expertise ganz im Sinne des Auftraggebers aus. Wie dem auch sei, es lässt sich keine eindeutige Aussage treffen. Wie so oft.
Da das Thema Klimawandel allerdings inzwischen in aller Munde ist, bemühen sich auch Wirtschaftsunternehmen um den Schutz unserer Umwelt. Schließlich verkauft sich ein Produkt schlecht, wenn im aktuellen Klimadiskurs ein Konsens über den Bedarf an Umweltschutz besteht, die Käufer und Verbraucher allerdings von einem Unternehmen wissen, dass dieses die Umwelt schädigt.
Somit gehen denn inzwischen auch Stromkonzerne vermehrt dazu über, Ökostrom anzubieten. Ein Endprodukt ist zumindest in Deutschland nicht leicht mit dem Label „Öko“ zu versehen; so hofft der Konsument zumindest. Selbst die großen Stromanbieter schafften es inzwischen Ökostrom anzubieten. Wunderbar, dass sich auch die Großen der Umwelt verpflichtet fühlen.
Die Realität sieht indessen anders aus. Es handelt sich um einen simplen Aufkauftrick, den unsere Regierung nicht zu unterbinden gedenkt. Die Großen kaufen Ökostromzertifikate an einer Strombörse für regenerative Energien auf. Dieser Ökostrom existiert allerdings nur auf dem Papier, ist rein virtuell. Ökostrom wird deshalb nicht in die Netze eingespeist, was ja auch unmöglich ist, denn diesen gibt es in Realiter gar nicht. Mit einem Umweltzertifikat kann Atomstrom käuflich zu Ökostrom umdeklariert werden. Der Verbraucher wird für dumm verkauft! Und was das schlimmste ist: Umweltschutz scheint zu einem käuflichen Gut verkommen zu sein. Der Kapitalismus macht eben auch vor solch paradoxen Auswüchsen nicht halt. Der Ausverkauf der Natur, so weit sind wir schon!
Mein äußerst rudimentäres Wissen im Bereich der Wirtschaftswissenschaften sagt mir, dass Natur oder zumindest deren Bestandteile, wie die Luft zum Atmen und der Boden auf dem wir stehen, zu den freien und ubiquitären Gütern zählt. Die Natur gehört allen, mit ihr kann nicht gehandelt werden, sie ist nicht (ver)käuflich. Und dennoch wird sie mit solchen Tricks zu einem käuflichen, zu einem ökonomischen Gut umfunktioniert. Das Problem ist nur, es gibt Dinge, die sich neu produzieren lassen. Bei der Natur könnte es allerdings schwierig werden. Aber das ist egal, so lange die großen Bosse sich noch die Taschen füllen können. Natur ade! Es war eine schöne Zeit! Aber irgendwann muss schließlich jeder einmal gehen. Der Lauf der Dinge, der Lauf der Welt. Nur dieses Mal gehen wir alle mit! Was soll’s, ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich habe doch Ökostrom gekauft!