Mediendiskussion Teil 2

August 13, 2008

Versuch der Konfusionsauflösung

Das Gefühl des Missmutes verdrängt, mache ich mich erneut auf zum Illustrationsversuch eines originär gesellschaftlich unbedeutenden Ereignisses auf seinem Weg zum Medienolymp oder zumindest, um in dem Bild der geomorphologischen Analogien zu bleiben, zu einer medialen Erhebung. Zunächst gilt es die sich bei dem erstmaligen Beitrag auftuende Konfusion, dem Versuch einer Auflösung zu unterziehen. Mit anderen Worten, es gilt Klarheit zu schaffen. Denn Klarheit ist das einzige, was einen auf dem Weg zur Erkenntnis weiterbringt. Doch wie stellt sich Erkenntnis mittels Klarheit ein? Entsprechend der Idee, Objektivität – der ich irgendeine, von mir leider nicht näher erklärbare Verbindung mir den Begriffen Klarheit und Erkenntnis zuschreibe – werde durch eine gemeinsame gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit erreicht, wende ich mich einer gesellschaftlich weithin geteilten Wirklichkeitskonstruktion und somit einem als objektive Methode anerkannten Verfahren zu: der wissenschaftlichen Untersuchung. Meine Idee ist folgende: Den Regeln der quasiobjektiven Wissenschaft folgend, möchte ich versuchen, eine Fallstudie durchzuführen und aus den Ergebnissen dieser Studie gemäß dem gebräuchlichen Prinzip der Induktion eine allgemeingültige Erkenntnis für die Arbeitsweise der Medien abzuleiten. Sollte diese mit den bisherigen allgemeinen Erkenntnissen kompatibel sein, wäre dies auch für mich ein ausreichender Beweis, dass ich mit meinen Ausgangsannahmen falsch liege und mein Projekt in den allerersten Zügen bereits zum Scheitern verurteilt war.

Daher möchte ich nun das Exempel bemühen, welches eigentlich zur anfänglich geplanten Wegillustration gedacht war und je nach Ergebnis meiner Studie auch wieder als solches dienen kann. Aus Gründen der Aktualität bediene ich mich des Beispiels der Unfälle von Bergsteigern, die in der letzten Zeit vermehrt in den Medien Erwähnung gefunden haben. Besitzt dieses Thema Relevanz? Intuitiv würde ich sagen, zumindest mehr als meine erste Exempelidee, das Phänomen „Eisbärenbabys in deutschen Zoos“, das mit dem geliebten Knut eine Zeit lang einen wahren Medienhype ausgelöst hat. Da dieses allerdings gerade nicht sehr präsent ist, somit keine Aktualität gegeben ist, wäre laut offizieller Definition ein Kriterium für Relevanz nicht erfüllt. Auf das Thema Eisbärenbabys werde ich eventuell an geeigneter Stelle noch zu sprechen kommen. Wichtig erscheint mir für den Moment, dass zur möglichst objektiven Ergebnisfindung die offiziellen Kriterien der Nachrichtenauswahl erfüllt sein sollten. Daher ist mir Aktualität wichtig. Somit zurück zu den Bergsteigerunfällen. Aktualität ist gegeben. Bieten diese aber auch die nötige Relevanz? Aus humanistischen Gründen würde ich dem Tod mehrere Bergsteiger mehr Relevanz zuordnen als den ersten Regungen von Eisbärenbabys. Aber wie gesagt, es handelt sich um eine eher intuitive Feststellung, die dem gestrengen Urteil der Wissenschaft nicht standhalten kann. Da allerdings das Kriterium der Aktualität erfüllt ist, das zweite Kriterium, allgemeines Interesse, Gegenstand der Untersuchung ist, entscheide ich mich für die axiomatische Annahme, dass es sich bei der Auswahl des Analysematerials um ein geeignetes Fallbeispiel handelt.

Also ran ans wissenschaftliche Arbeiten. Wie ging das noch? Ach ja. Zunächst einmal die Forschungsfrage formulieren. Diese lautet: Erfüllt das Thema Bergsteigerunfälle entsprechend eines objektiven Urteils tatsächlich das Kriterium des allgemeinen Interesses oder ist es eher den Nachrichtenrezipienten durch die Medien aufoktroyiert worden? Auffällig ist die rezente Häufung von Ereignissen in diesem Themenbereich, wo zuvor höchst selten von gleichthematischen Nachrichten berichtet worden ist. Deshalb schließt sich hier meine zweite Frage an, nämlich ob tatsächlich diese Ereignisse in einer größeren Häufung auftreten oder ob diesen lediglich mehr Bedeutung zugemessen wird. In einem nächsten Schritt gilt es die zur Beantwortung der Fragen geeignete Methode zu finden. Da es sich um das Thema Medien handelt, was wäre da nahe liegender als es mit einer Medienanalyse zu versuchen. Diese bietet wiederum diverse Verfahren an. Entsprechend des Erklärungsmodells der zweckrationalen Handlungstheorie verhält sich der Mensch als Homo oecomomicus; das heißt der eigene Nutzen ist stets im Vordergrund. Übertragen auf mein Thema würde dies bedeuten, dass das Interesse der Medien gleichbedeutend ist mit Nutzen. Nutzen verstanden als finanzieller Gewinn würde jegliche Objektivität in einen Materialismus auflösen, der wiederum nach subjektiven Kriterien funktioniert. Eine solche Erklärung scheint mir zu viel Einseitigkeit und Einfachheit aufzuweisen, als dass sie als richtig bzw. ausreichend angesehen werden könnte. Wissenschaft ist komplex, bedarf der empirischen Belege; diese Eigenschaften vermag mein Erklärungsansatz nicht zu erfüllen.

Ich werde es also mit einer anderen Methode versuchen. Doch die Entscheidung für die richtige Methode ist schwerer als gedacht, möchte ich doch ein möglichst objektives, im Sinne von nicht vorab beeinflusstes Ergebnis. Doch zu vorgeprägt und einseitig erscheinen mir die Methoden. So verspricht eine Herangehensweise gemäß positivistischem Theoriehintergrund als Ergebnis die Bestätigung der offiziellen Mediengrundsätze zu liefern. Eine eher konstruktivistische, postmoderne Theorie würde vermutlich eher meinen Eingangsvermutungen Recht geben. Da die Wissenschaft die von mir bereits bei der Wahl des Untersuchungsgegenstands genutzte Möglichkeit des Axioms bereithält, wodurch eine Aussage als unhinterfragbar richtig hingestellt wird, möchte ich mich dieser Möglichkeit auch an dieser Stelle nicht verwehren und entscheide mich für eine eigens kreierte axiomatische Medienanalyse, deren Methodik ich somit als angemessen zur Beantwortung der Forschungsfragen postuliere.

Was ist wichtig für eine wissenschaftlich empirische Untersuchung? Die Wahl eines ausreichend langen Untersuchungszeitraums und ein gewisser Umfangreichtum des Analysematerials fallen mir spontan ein. Ich möchte Sie, den Leser, nicht mit der langweiligen und zeitintensiven Auswertung des Materials langweilen, sondern nur den Hinweis geben, dass ein Blick auf alle Geschehnisse der Welt unmöglich ist. Dennoch versprechen Nachrichtenagenturen einen ungefähren Einblick in das weltweit wichtigste Tagesgeschehen zu liefern, wenn auch bereits stark selektiert und regional ungleichmäßig gewichtet. Aber immerhin der größte sich uns bietende Umfang an Nachrichten und Informationen. Eine Zahl, auf die ich im Laufe der Auswertung stieß, scheint mir interessant. Lediglich ungefähr zehn Prozent der bereits selektierten Nachrichten finden den Weg in die tägliche mediale Berichterstattung. Mathematisches Können ist gefragt, um bei dem nun folgenden Rechenexempel den Überblick zu bewahren. Wenn also rein hypothetisch bereits nur 80 Prozent aller „wichtigen“ Nachrichten die Agenturen erreichen, davon 90 Prozent keinen Platz in der Medienberichterstattung finden, von den verbleibenden 10 Prozent, wobei allerdings im Hinterkopf behalten werden muss, dass diese sich bereits aus einer nur 20 Prozent aller wichtigen Nachrichten berücksichtigenden Menge an Informationen zusammensetzen, wiederum nur wenige Informationen den Konsumenten wirklich erreichen, dann zeigt sich, nun ja, zumindest dass die Abschätzung von Relevanz ein schwieriges Thema ist.

Zu diesem ersten Teilergebnis möchte ich den Untersuchungszeitraum in Relation setzten. Jeden Tag diese soeben rechnerisch nachgewiesene Menge an Nachrichten; einen Untersuchungszeitraum von mehreren Jahren zu wählen, käme sisyphus´schen Anstrengungen gleich. Jeden Tag eine Teilmenge bearbeiten, jeden Tag eine neue Teilmenge dazu, ein Ende wäre nicht absehbar. Aber muss der Zeitraum denn wirklich so lang sein? Ich meine nein, schließlich genügt doch einfach ein Blick auf die Agenturmeldungen einiger Tage, an denen nicht von Unfällen von Bergsteigern berichtet worden ist. Diese Herangehensweise führt zu meinem zweiten Teilergebnis. An fast jedem x-beliebig gewählten Tag lassen sich Berichte von Bergsteigerunfällen nachlesen.

Also doch ein medial eher unbedeutendes Ereignis? Könnte sein, aber ganz sicher bin ich mir nicht. Für ein eindeutiges und zweifelsfrei objektives Ergebnis reicht wohl leider meine Fähigkeit zur wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung nicht aus. Dennoch verspüre ich trotz des Eingeständnisses persönlicher Unzulänglichkeiten vor dem Hintergrund meines Resultats so etwas wie ein schlechtes Gewissen. Mich befällt das Gefühl, die Medien versuchter Weise der Gefahr der Diskreditierung ausgesetzt zu haben. Zudem habe ich auf recht stümperhafte Weise versucht, mich wissenschaftlicher Verfahren zu bedienen, was in den Augen tatsächlicher Wissenschaftler leicht als Missbrauch verstanden werden könnte. Dies war – so möchte ich in aller Deutlichkeit versichern – nicht meine Absicht. Ein wenig Angst bereitet mir mein vermutlich nicht weiter relevantes Ergebnis schließlich auch noch. Was nun, wenn unsere Nachrichten vielleicht gar nicht wirklich relevant sind, vielleicht gar nicht objektiv, vielleicht gar nicht der Wahrheit entsprechen? Das wäre doch schrecklich, worauf sollte man sich dann noch verlassen? Um mir nicht selber gänzlich den medialen Boden unter den Füßen wegzuziehen, möchte ich meine Untersuchung hiermit lieber abschließen. Es gibt Dinge, die sollte man nicht bis in ihre Grundfesten zerlegen und hinterfragen, da sonst eben der Boden, auf dem man so sicher meinte zu stehen, ins Wanken geraten könnte.

Abschließend fällt mir erneut auf, dass eine Illustration des Weges eines medialen Ereignisses mir auch dieses Mal nicht wirklich gelingen wollte. Zu meiner Entschuldigung: Der Wille war da, der Ergeiz ebenfalls, lediglich an der Ausführung hat es gehapert. Vielleicht doch die falsche Methodenwahl? Wie gesagt, meine wissenschaftliche Arbeitsweise ist verbesserungswürdig und mit ziemlicher Sicherheit existiert die richtige Methode für meinen Untersuchungsgegenstand. Vermutlich habe ich nicht intensiv genug danach gesucht, womit ich noch mal in aller Deutlichkeit darauf aufmerksam machen möchte, dass ich jegliche Schuld von der Wissenschaft abwende, sofern im Eifer des Untersuchungsgefechts der Eindruck entstanden sein sollte, diese halte keine geeignete Methode bereit. Um Sie, meinen hochverehrten Leser, nicht wieder mit Vielleichts und Möglicherweisen auf ein nächstes Mal zu vertrösten, gelobige ich zukünftig eine neue Herangehensweise, die mit absoluter Sicherheit zum Ziel führen wird. Dies kann ich ohne schlechtes Gewissen versprechen; zumindest wenn man davon ausgeht, dass der Weg das Ziel ist.

Mediendiskussion Teil 1

Juli 25, 2008

Versuch der Illustration eines Weges

Es folgt eine Illustration des Weges, den eine gesellschaftliche Nichtigkeit zu beschreiten in der Lage ist, sollten die Medien für eben diese ein gewisses Interesse in der Gesellschaft respektive Konsumentenschicht ausgemacht haben. Na ja, Nichtigkeit ist vielleicht ein zu hartes Wort; besser ist vielleicht des Begriff unbedeutendes Ereignis, zumindest in dem Sinne, dass es für das Fortbestehen der Welt irgendeine Bedeutung hätte. Die angekündigte Illustration beruft sich auf folgende, von mir aus persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen extrahierte Erkenntnis: Was sich verkauft, ist von Interesse. Was von Interesse ist, ist wichtig. Und wichtig ist alles, was sich verkaufen lässt. So stellen sich für mich einführend die Grundsätze der Medienarbeit dar, die anhand des beispielhaften Werdegangs eines Ereignisses von der Beschaffenheit einer Unbedeutsamkeit veranschaulicht und in ihrer Entwicklung abgezeichnet werden sollen.

Bevor ich mich in die schriftliche Ausgestaltung eines von mir frei gewählten Ereignisses stürze, möchte ich aus Gründen der Überprüf- und Verifizierbarkeit meiner Selbsterkenntnis, mein individuelles Gedankengebäude mit kollektivem Gedankengut in Form von alternativen und aus definitorischer Sicht gemeinschaftlich geteilten Quellen untermauern – nur um sicher zu gehen. Diesen Schritt unternehme ich weniger aus persönlicher Unsicherheit oder Selbstzweifeln an meinen Feststellungen zum Thema Medienarbeit, sondern eher, um einem eventuell nach nachvollziehbareren, „objektivierten“ Beweisen strebenden Leser zu beruhigen; quasi als Beweis, dass meine Erkenntnisse nicht einfach aus der Luft gegriffen sind. Eine Beweisführung entfaltet sich oftmals an der Übereinstimmung mehrerer Stimmen oder Meinungen auf einen gemeinsamen Nenner, auf eine allgemeingültige Definition. Also gilt es eine der wichtigsten Aufgabe des Journalisten auszuüben, die Recherche, um eben diese Allgemeingültigkeiten ausfindig zu machen. Und siehe da, schon nach dem Anrecherchieren des Themas „Mediengrundsätze“ eröffnen sich gravierende Unterschiede zwischen meinem Erklärungsversuch und den vermeintlich offiziellen Prämissen der Medienarbeit. So schnell ist der als Routineeingriff geplante Verifizierungsakt zu einem mein Illustrationsprojekt schon in den Grundfesten erschütterndes und gefährdendes Unterfangen mutiert.

Bevor ich mich also dem eigentlichen Projekt zuwenden kann, gilt es zunächst mal, die sich auftuenden Diskrepanzen unter die Lupe zu nehmen. Sollten meine Eingangs geäußerten Überlegungen falsch sein? Sollte meine Textidee sich somit selber als Nichtigkeit herausstellen? Schritt eins sollte daher in der Wiedergabe der „offiziellen“ Version von Mediengrundsätzen bestehen. Laut Recherche erscheint das wichtigste Prinzip eine möglichst objektive Berichterstattung über gesellschaftsrelevante Themen zu sein. Den Medien soll eine informierende Funktion über relevante Ereignisse zukommen. So könne beispielsweise der Leser einer Tageszeitung sich gewiss sein, nach der Lektüre seines Blattes über das wesentliche Tagesgeschehen unterrichtet zu sein. Aber wie erreicht man Objektivität? Wie beurteilt man die Relevanz eines Themas? Auch diese Fragen lassen sich nach der Recherche eindeutig beantworten. Die Relevanz ergibt sich aus dem allgemeinen Interesse plus der Aktualität eines Sachverhaltes. Die Objektivität ist durch die Richtigkeit der Fakten, also die Genauigkeit der Recherche, die Vollständigkeit der Informationen und den Verzicht auf Wertung und Kommentierung, außer diese wird explizit als solche kenntlich gemacht, gewährleistet.

Mit diesen Leitlinien erlegt sich der Medienschaffende eine hohe Bürde auf, so finde zumindest ich. Aber diese Grundsätze gewährleisten immerhin zweierlei. Zum einen eine Verwirklichung oder zumindest Annäherung an die Prinzipien von Objektivität und Relevanz und daraus folgend eine quasi moralische, weil überindividuelle Informationsinstanz, die einem Publikum Fakten und nicht Meinungen zu präsentieren in der Lage ist. Die Meinung kann sich somit ein jeder selbst bilden. Soviel zu den „hard facts“, die ich hoffentlich richtig wiedergegeben und interpretiert habe. Kurze Zweifel, da meine Interpretationsgabe bereits bei der Einführung des Textes zu versagen gescheint hat, möchte ich an dieser Stelle unter dem Teppich kehren; nicht um ihnen aus dem Weg zu gehen, sondern um mich diesen an geeigneterer Stelle zu widmen.

Etwas paradox erscheinen dann aber doch einige Sätze, die sich mir bei weiterem Lesen in den Weg stellen. Da heißt es beispielsweise sinngemäß, also dem Sinn nach, den ich erneut hoffe erfasst zu haben: Damit Aussagen objektiv erscheinen, muss eine gemeinsame gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit gegeben sein. Vermutlich weiß ein Medienprofi, was damit gemeint ist. Ich, der noch als Amateur der Schreibenden Zunft zu bewerten bin, kann diesen Satz leider nicht in der Gänze seiner Aussagekraft begreifen. Aber vielleicht stellt sich im Laufe der Jahre bei mir auch noch ein höherer Grad an Professionalität ein, der es mir ermöglicht, solche Aussagen eindeutig zu verstehen. Weiter geht es mit einer Aussage zum Thema „Nachrichtenselektion“. Erkenntnisinteresse des Journalisten ist die Beschreibung und Erklärung singulärer Ereignisse, die aus der Perspektive des Systems relevant sind. Die Perspektive des Systems, schon wieder so ein Ausdruck, der sich mir nicht wirklich erschließen will.

Die Konfusion wird noch größer, als ich aus meinem Hinterkopf wieder meine eigenen Mediengrundsätze hervorkrame. Statt der Auflösung von Diskrepanzen driften meine eigens gewonnenen und die allgemeingültigen Grundsätze der Medienarbeit immer weiter auseinander. Missmut stellt sich ein, der sich in dem Moment noch vergrößert, in dem ich feststelle, dass ich kontinuierlich an meinem eigentlichen Thema vorbei schreibe. In der Schule wäre dieser Text damit eine glatte fünf – Thema verfehlt. Was für ein Glück, dass diese Zeiten vorbei sind. Daher ist es mir möglich, unter Missachtung des Prinzips der Relevanz – denn relevant kann ein am eigentlichen Thema vorbeigehender Text mit Sicherheit nicht sein – diesem das Prinzip der künstlerischen Freiheit entgegen zu setzen. Prinzipiell ist dies sicherlich keine professionelle Arbeitsweise, aber als Amateur sei mir dieser Dilettantismus verziehen. Ein weiterer Dilettantismus wird mir gerade klar. Recherchiert habe ich zwar, allerdings die Angaben nicht mit Quellen belegt. Somit genügt dieser Text nicht nur keinen journalistischen Ansprüchen, sondern ebenso keinen wissenschaftlichen. Gefühlsmäßig stehe ich vor einem Scherbenhaufen. Der ganze Text scheint umsonst. Alle offiziellen Prinzipien missachtet. Ich tröste mich mit den Worten: Ich übe ja auch noch! Und deshalb gebe ich an dieser Stelle nicht gänzlich auf, sondern erlaube es mir, die werte Leserschaft auf eine Fortsetzung dieses Textes in einem nicht näher definierten Zeitraum zu vertrösten, wobei ich mich – auch wenn ich es nicht mit Sicherheit versprechen möchte; sagen wir, ich verspreche es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – dem eigentlichen Thema, der Illustration des Weges widmen werde. Mit dem Gefühl von Missmut im Bauch lässt sich schlecht weiter schreiben. Deshalb werden Sie sicherlich verstehen, dass ich jetzt aufhören möchte. Wieso Sie das nächste mal weiter lesen sollten, wo doch schon dieses mal keine Information verbreitet worden ist? Schwer zu sagen. Vielleicht, weil Sie sich für mein Schicksal interessieren, meine möglichen Fortschritte? Aber vielleicht auch, weil sich das nächste mal eine objektive Erkenntnis bei mit einstellen wird und die Illustration des Weges, die versprochener Weise äußerst interessant ist, ihren Verlauf nehmen wird. Vielleicht aber auch, weil das Wesen der Information nicht in der Information selber steckt. Oh, jetzt verwirre ich mich selbst! Schluss, aus! Auf ein nächstes Mal!

Der Westen im Umgang mit afrikanischen Angelegenheiten

Die Tagesschau gilt seit jeher als Aushängeschild im Bereich der Medien. Kompetent, wertfrei, objektiv. Doch was müssen meine Augen auf der Homepage dieser Rundfunkanstalt entdecken. Einen Kommentar von Wim Dohrenbusch vom ARD-Hörfunkstudio in Nairobi zum Verhalten der Afrikanischen Union (AU) gegenüber Robert Mugabe. Der amtierende zimbabwische Präsident hat sich nach umstrittener Stichwahl erneut zum Staatsoberhaupt des Landes erklärt. Beginnend mit den Worten „eine Clique von Ignoranten…“ schreibt Dohrenbusch weiter: „Selten so gelacht“. Damit bezieht er sich auf die Unfähigkeit der AU, die sich für ihn aktuell in der von der EU geforderten Zurechtweisung von Mugabe manifestiert. Er wirft der AU Tatenlosigkeit, Handlungsunfähigkeit und Versagen vor.

Ein Kommentar, nun gut, „nur“ ein Kommentar! Kein Grund zur Aufregung! Dennoch, diese beschwichtigenden Worte zeigen keine Wirkung. Auch ein Kommentar definiert sich über bestimmte Regeln. Argumentation, abwägen, Meinung als plausibel konstruieren… Es geht nicht darum, Dohrenbuschs Vorwürfe zu entkräften, zu widerlegen oder zu behaupten, die AU wäre eine tatkräftige und konfliktlösende Institution. Es geht lediglich darum, Dohrenbuschs einseitigem Schmalspurdenken ein wenig mehr Kommentarcharakter zu verleihen. Denn um einen Kommentar per definitionem handelt es sich sicherlich nicht; eher um eine Verurteilung, die leichte Anleihen einer Hasstirade in sich birgt.

Folgendes Denken zeichnet sich hinter den Worten Dohrenbuschs ab. Der Westen weiß, was gut für die afrikanischen Staaten ist, hat Moralität, Humanismus und Friedfertigkeit für sich gepachtet und versucht deshalb, diesen unterentwickelten Staaten ihr Handeln zu diktieren. In westlicher Imagination einer Überlegenheit eine folgerichtige Handlung. Der unterentwickelte Afrikaner bekommt seine Probleme mal wieder nicht in den Griff. Da muss der Westen doch einschreiten – denkt sich der Westen – , sich einmischen, um der Menschlichkeit, des Wohles des zimbabwischen Volkes willen. In meine Sprache übersetzt, heißt das, der Westen verharrt in Strukturen von Paternalismus, Ethnozentrismus und Neokolonialismus. Bezüglich des westlichen Moralismus nur eine konterkarierende Anmerkung. Wie kürzlich erst wieder durch eine neue Studie ins Gedächtnis gerufen, ist beispielsweise das ach so moralische Deutschland ganz vorne dabei bei den weltweiten Waffenexporten – die USA konnten sie natürlich nicht von ihrem Spitzenplatz verdrängen. Der sich vordergründig um Frieden und Gerechtigkeit in der Welt bemühende Westen, ist um gute Geschäfte nie verlegen. Moral kann man offenbar selektiv anwenden sowie aussetzen.

Wieso sollte also dieser selektiv moralische Westen, hier exemplarisch durch die Person Dohrenbusch vertreten, sich dazu berechtigt fühlen, anderen Ländern oder Gemeinschaften „falsches“ Handeln zu attestieren? Vielleicht bringt der politische Sprecher Mugabes, George Charamba, wenn auch etwas polemisch es aber inhaltlich dennoch auf den Punkt, wenn er sagt, die westlichen Staaten hätten „keinen Anspruch“ auf Mitbestimmung in Zimbabwe und deren Politiker sollten „zur Hölle fahren“.

Kaum aufgetaucht ist er schon auf dem Höhepunkt seiner Existenz; und ein Augenzwinkern weiter bereits wieder in den Tiefen der Unbedeutsamkeit verschwunden. Ein neuer Trend ist schnell entstanden, breitet sich in Lichtgeschwindigkeit zum überall angesagten Megahype aus und ist ebenso schnell wieder untergetaucht. Entgegen diesem Strom zu schwimmen, scheint fast unmöglich. Die von jedem für jedes beanspruchte Individualität ist Schein; Individualität goes Massentauglichkeit. Jede Idee und jeder Ausdruck von Individualität wird von einer Marketingmaschinerie aufgegriffen und in Cash umgewandelt. Es funktioniert vorzüglich.

Auf der Strecke bleibt dabei nur die um Andersheit ringende Person, die sich in Nischen aufhalten muss, die leider schnell entdeckt werden können. So schleicht der sich echter Individualität Verschriebene von einer Nische zur nächsten. Immer auf Flucht, immer mit der Angst lebend, von dem Ungeheuer Vermarktung entdeckt und ausgesaugt zu werden. Ein Leben in ständigem Wandel. Sobald man einen Eindringling in seine Nische ausgemacht hat, gilt es die Strategie des Chamäleons anzuwenden. Farbe wechseln, neue Nische finden und hoffen, sobald nicht wieder als Trendgeber herhalten zu müssen. Es heißt immer achtsam zu sein, die Gefahr lauert überall. Jedes noch so verrückte Outfit, jede noch so verrückte Idee, schier alles ist von dieser Gefahr bedroht, die sich Vermarktung nennt. Massentaugliche Besonderheit wird zum alles beherrschenden Label. Kollektive Einzigartigkeit, die sich durch kollektive Gleichartigkeit auszeichnet. Echte Individualität prallt auf Vermarktungspseudo-individualismus und vermischt sich zur Unkenntlichkeit. Bald weiß keiner mehr, wer anders ist, wer trendy. Alle sind anders, keiner ist anders. Was ist Selbstausdruck und was Massengut? Eine Independent-Kultur, die sich der Vermarktung hingibt und nur noch als Label und Werbestrategie fungiert. Da wird schnell mal ein alternativer Ort als massentauglicher Treffpunkt für einen Underground beworben, der inzwischen so undergroundig ist, dass er seinen Weg in die Werbung gefunden hat. Aber dies hat sicherlich auch sein Gutes. Immerhin wird somit eine alternative Szene einer viel größeren Gruppe von Menschen zugänglich.

Früher? War früher wirklich alles besser? Zumindest einfacher, weil eindeutiger. In meiner Jugend, da gab es sie noch, Nirvana, die eine große Band, die den Nerv einer ganzen Generation traf, die Probleme aller Jugendlichen zum Ausdruck brachte. Da gab es ihn noch, Pulp Fiction, den einen Film, den die ganze Generation gesehen hat und kollektiv zum Kultstreifen ihrer Jugend erklärte.

Genau dies könnte der entscheidende Unterschied sein, dieses „erklärte“. Es war kein gemachtes Phänomen, sondern ein entstandenes. Keine Werbung, die einem vermittelte, dass dies der neue Film des Jahres sein könnte, einer von bestimmt weiteren zwanzig folgenden Filmen des Jahres. Schon am Anfang des Jahres scheint die heutige Marketingmaschine zu wissen, was am Ende des Jahres das absolute Highlight, der Blockbuster, das Kinoereignis des Jahrzehnts gewesen sein wird. Die Tatsache, dass die zum reinen Konsumenten verkommene Person diese Weisheit in ständiger Wiederholung vermittelt wird, scheint nicht zu stören. Ist der Mensch inzwischen so degeneriert, dass ihm solche Widersprüchlichkeiten gar nicht mehr auffallen oder schlimmer noch, diese zwar irgendwie wahrgenommen, aber nicht reflektiert werden? Der allwissende und immer die Wahrheit sagende Gott Marketing würde einen schon auf etwaige Diskrepanzen und Unrichtigkeiten hinweisen. Ebenso sagt er einem, was wir gut finden sollen und was wir brauchen. Der Mensch als unmündiges, seelenloses und biegsames Wesen. Somit gut, dass einer die Aufgabe des Wegweisens übernimmt. Ob sich Gott wie in früheren Tagen im Angesicht der Religion offenbart oder wie heute im Angesicht des Marketing. Hauptsache ist doch, dass er da ist. Der Mensch immerhin scheint die Gebote der neuen Religion Ökonomie inzwischen verinnerlicht zu haben. Entsprechend der marktwirtschaftlichen Idee vom Ressourcen schonenden Einsatz von Energien, überlässt er anderen den Kräfte raubenden Prozess des Nachdenkens. Schön, wenn sich um einen gekümmert wird. Zuwendung suchen wir doch alle irgendwie. Und wenn diese dann gleich derart ubiquitär – um kurz im marktwirtschaftlichen Jargon zu verweilen – vorhanden ist, umso besser.

Problematisch wird es dann, wenn es sich bei der Fülle an Überangebot zu entscheiden gilt. Schließlich ist es unmöglich geworden, alle Angebote wahrzunehmen. Aber wie das richtige auswählen? Eine Strategie könnte die absolute Zufälligkeit sein. Denn der Mensch, inzwischen zu jeglicher Entscheidungsfindung unfähig, irrt ziellos im Dickicht des Angebots umher. Was mag er, was mag er nicht? Die Werbung sagt ihm: „Du magst alles. Du brauchst alles.“ Täglich sieht Mensch sich fünf neuen Superbands, zwei Kinostreifen mit absolutem Kultpotential, drei neuen Szenekneipen und einem neuen Klamottentrend ausgesetzt. All dem zu folgen bedarf einer Anstrengung, die unmenschlich anmutet. Dennoch nehmen einzelne Exemplare unserer Spezies diese Anstrengung auf sich und legen dabei eine Leistungsfähigkeit an den Tag, die mich verwundert dreinblicken lässt. Mir, als diesbezüglich weniger leistungsfähigem Exemplar, bleibt nur die Hoffnung, dass meine Untrendigkeit vielleicht morgen schon der neue Trend ist. Meine Jogginghose hat diesen Siegeszug schon angetreten. Einst auf die Couch des heimischen Wohnzimmers verbannt, ist sie inzwischen fester Bestandteil einer hippen Jugendkultur geworden, der ich anscheinend ohne mein Zutun jetzt angehöre. Gilt es nur noch zu realisieren, dass meine Jogginghose den Weg in die Freiheit gefunden hat und ich ohne schlechtes Gewissen die mir so wichtige Bequemlichkeit in die Öffentlichkeit tragen kann.

Also eine tolle Sache diese Trends, muss ich abschließend feststellen. Wo ich zwischenzeitlich noch dachte, diese würden einem etwas nehmen, hätten nur schlechte Eigenschaften, so muss ich festhalten, dass sie ebenso ermöglichender Natur sind und zwar ohne dass ich irgendetwas dafür machen muss. Wunderbar! Oder liege ich doch falsch? Kann ich nicht sagen. Alles so verwirrend. Alles zu viel. Ach, ich will meine eine Kultband zurück, den einen Blockbuster des Jahres im Kino gucken und vielleicht doch lieber meine Jogginghose weiterhin in den eigenen vier Wänden tragen.

Vorratsdatenspeicherung

Dezember 1, 2007

Vorratsdatenspeicherung – ein Konzept zur Sicherung der Sicherheit in Zeiten potentieller Unsicherheit

Ein Appell zum Um-die-Ecke-Denken

VON RAINER SCHMITT

Schon allein der Begriff “Vorratsdatenspeicherung” mutet unheimlich und obskur an und dürfte jetzt bereits einen Startplatz bei der Wahl zum „Unwort des Jahres“ sicher haben. Was bitteschön sind Vorratsdaten? Ein netter Begriff, der nicht mal ansatzweise in die Nähe davon geht, was dieses Unwort tatsächlich beinhaltet. Ein Abhören der Bevölkerung, Schaffung des gläsernen Menschen, ein weiterer Schritt hin zu einem absoluten Überwachungsstaat; all dies wären passendere Begriffe, die allerdings höchstwahrscheinlich eine andere Wirkung innerhalb der Bevölkerung erzielen würden. So bedient man sich lieber eines nichtssagenden Begriffs. Damit ist doch auch allen gedient. Dem ruhig gestellten Bürger, der Politik und allen voran unserem Innenminister Schäuble.

Der Begriff ist somit eher einer, der die Gemüter nicht in dem angebrachten Maße erhitzt. Bleibt allerdings das Problem der Rechtfertigung. Wofür brauche ich diese Maßnahmen zur Vorratsdatenspeicherung überhaupt? Liegt eine potentielle Unsicherheit für unseren Staat vor? Mag sein, dass ich diese übersehen habe, anscheinend habe ich mich dem Thema nicht mit der diesem gebührenden Intensität und Aufmerksamkeit gewidmet. Wie sonst als mit persönlicher Nachlässigkeit könnte ich mir meine Nicht-Kenntnis von Unsicherheiten erklären. Vielleicht sollte man daher diesem Versuch zur Erhöhung der Staatssicherheit nicht mit Polemik und einer von vornherein negativen Einstellung entgegentreten. Vielleicht kümmert sich der Innenminister tatsächlich nur um das Wohlergehen des deutschen Bürgers, denn für diesen wird schließlich besagte Sicherheit hergestellt.

So sollte mich denn auch die Überlegung, Musikkonzernen diese doch eigentlich höchst sensiblen Daten zur Verfügung zu stellen, nicht weiter stutzig machen. Die damit verbundene Einschränkung der persönlichen Freiheit einer jeden Person kann man vor dem Hintergrund einer erhöhten Sicherheit gewiss verschmerzen. Schließlich würde die Weitergabe dieser Daten erneut unsere aller Sicherheit erhöhen. Unser gefährdetes geistiges Eigentum erhält durch die damit beabsichtigte Verbesserung des Urheberrechts- schutzes eine gänzlich neue Qualität. Gut, dass dem Individuum im Umkehrschluss somit eigentlich keine Freiheit genommen, nein, diese sogar erst gewährleistet wird. Denn man muss es schließlich so sehen: Gäbe es keine Gesetze, die unsere Sicherheit sichern würden, dann gäbe es auch keine individuelle Freiheit, da das Individuum in absoluter Unsicherheit leben müsste und sich als solches gar nicht erst entfalten könnte. Also richte ich meinen Dank an Herrn Schäuble und Co., denen ganz offensichtlich nur unser Bestes, unser Wohlergehen, eben unsere Sicherheit am Herzen liegt. Sie lassen sich trotz bestimmt vieler Avancen seitens der Wirtschaft nicht korrumpieren und setzen standhaft ihren Weg für die Rechte und Freiheiten der Bürger durch.